Journalismus
Darstellungsformen
   Radionachrichten
   Bericht
   Journale
    Gebauter Beitrag
   Radioreportage
   Interview
   Umfrage
   Radio-Feature
      Mini-Feature
   Kulturberichte im Radio
   Magazinsendungen
   Meinung im Radio
Radiolandschaft

Medienpädagogik
Radiotechnik

Radio-Feature  

Keine andere Darstellungsform im Radio sorgt für so viele Spekulationen und Missverständnisse wie das Feature. Der englische Ausdruck "to feature" bedeutet so viel wie "effektvolles, wirksames Aufmachen". In der deutschen Sprache, wo es dafür kein entsprechendes Wort gibt, wird das "Feature" oft auch als "Hörbild" bezeichnet. Zur Frage: "Feature - was ist das?" finden sich in der Fachliteratur unterschiedliche Annäherungen.

Das "Radio-Lexikon" von Norbert Linke beschreibt das "Feature" als "journalistische Darstellungsform, bei der ein Thema ausführlich, möglichst farbig und reich an Facetten erzählend behandelt wird. Das Feature im öffentlich-rechtlichen Rundfunk zeichnet sich aus durch lebhaften Einsatz von O-Tönen, Atmo, Geräuschen und Musik. Im Unterschied zum gebauten Beitrag kann das Feature bis zu 60 Minuten lang sein." (LINKE, 53)

Ein Feature, das ist eine Sendung zu einem bestimmten Thema, in der allerlei O-Töne und bunte akustische Elemente vorkommen - diese Vorstellung ist zwar weit verbreitet, aber nicht gänzlich richtig. Denn das "Feature" ist grundsätzlich für alle Radioformen offen. So liegen die Anfänge des Features, das beim britischen Sender BBC in den Dreißigerjahren entwickelt wurde, in einer Zeit vor der "Erfindung" des O-Tons. Features waren damals reine Manuskript-Sendungen, deren Texte von mehreren SprecherInnen vorgetragen wurden. Diese Form, die ausschließlich auf geschriebenen Szenen beruht, wird nach wie vor von manchen AutorInnen gewählt.

In den meisten Fällen sind aber Original-Töne und Atmo das Material für ein Feature. Manche Features sind auch reine O-Ton-Collagen und kommen ganz ohne Text aus. Mit der Perfektion der Aufnahmetechnik haben sich auch die Möglichkeiten der radiophonen Umsetzung von Informationen wesentlich erweitert. Heute bieten Stereo-Mikrofone den Feature-AutorInnen die Möglichkeit, mit ihren Aufnahmen unterschiedliche akustische Ebenen und damit Raumerlebnisse zu vermitteln.

Die entscheidende Frage bei der Gestaltung eines Hörbilds ist, ob die Form auch zum Inhalt passt. Denn mehr als bei allen anderen Sendungen sind beim Feature Form und Inhalt voneinander abhängig. Da die formale Gestaltung genauso wichtig ist wie der Sachinhalt, muss das Thema eines Features akustisch konzeptioniert werden. Je nach gewählter Form müssen dann die unterschiedlichen Materialien möglichst wirkungsvoll eingesetzt werden, wobei in einem Feature der Dramaturgie beim Einsatz der O-Töne besondere Bedeutung zukommt.

Neben dem Hörspiel ist das Feature jene Darstellungsform, auf die der Ausspruch "Radio ist Kino im Kopf" am stärksten zutrifft. Ein Hörbild macht ein Thema sinnlich erfahrbar. Die HörerInnen erleben die Informationen als eine Art akustischen Film, sie sehen sozusagen mit den Ohren.

Der Arbeitsaufwand ist bei einem Feature wesentlich größer als beim gebauten Beitrag und anderen Darstellungsformen. Allein die Studio-Arbeit, das Mischen der verschiedenen akustischen Materialien, erfordert viel Zeit und Geduld. Viele private Radiostationen wollen oder können sich die langen Produktionstermine und die hohen Produktionskosten für ein Feature nicht leisten. So sind es bislang vor allem die öffentlich-rechtlichen Anstalten, die Features in ihren Programmen anbieten. Manche Features werden auch als Koproduktion verschiedener Sendeanstalten realisiert. Weiters werden im Rahmen eines internationalen Programmaustausches fremdsprachige Features übersetzt und bearbeitet und somit dem Publikum eines anderen Landes zugänglich gemacht.

Wer ein Feature in Angriff nehmen will, sollte zumindest das journalistische Einmaleins beherrschen und mit der Sprache und den Erfordernissen des Mediums vertraut sein, meinen die PraktikerInnen zu dieser höheren Kunst des Radiomachens. Grundsätzlich gibt es kein realitätsbezogenes Thema, das nicht auch als Feature gestaltet werden kann. Gleichzeitig ist aber auch das beste Thema noch lange kein Garant für ein gutes Feature. Da diese Darstellungsform immer über die bloße Weitergabe von Information hinausgeht, erfordert das Radio-Feature von den AutorInnen Engagement, Enthusiasmus und Fantasie.

TOP